Mittwoch, 27. September 2017

Inkompetenzkompetenz!

Wenn Sie in den späten 1980er Jahren in deutsche Ordinariaten (Generalvikariaten) unterwegs waren, so umwehte Sie dort nicht nur der damals übliche, mit Tabak und Altkaffee angereicherte Büromief, es herrschte in diesen Häusern auch ein ganz besonderer Geist. Sekretärinnen und Mitarbeiter waren sich ihrer durchaus besonderen Anstellung bewußt und so lag meistens eine distanzierte Feierlichkeit in den Mienen, wenn man ein Büro betrat. Die Arbeitsbelastung war in aller Regel nicht sonderlich hoch, weil in vielen Ordinariaten eine größere Anzahl sog. "Kaffeekochstellen" existierte, die man an treue Kinder der Kirche vergeben hatte, die unfreiwillig in Not geraten waren oder auf dem Arbeitsmarkt keine Chance hatten. Ob verwitwete Mutter oder alleingebliebener Sohn mit außerordentlicher Sprachbegabung: Sie fanden Auskommen und eine Beschäftigung, die ihnen Würde und Anerkennung schenkte. Die Umgangsformen waren betont höflich. Es war alles ein wenig langsamer und wohltuend betulich, fiel ein wenig "loriotesk" aus dem Rahmen.
Wie wissen alle, was dann kam. Die Volkskirche, die schon seit den späten 1960er keine solche mehr war, kam in Folge der ausbleibenden Gläubigen und Berufungen in eine Schieflage. Mit dem Fall der Mauer endete nicht nur das sozialistische Experiment im Osten Deutschlands. Auch die in den Generalvikariaten konservierte Menschenfreundlichkeit aus der Zeit des Wirtschaftswunders ging jäh zu Ende. So wie nach dem Ende der DDR das Ende der sozialen Marktwirtschaft ganz schnell kam, so schnell zogen nun auch die externen Berater durch die Bistümer und stellten ihre Kompetenzen in den Dienst der "wirtschaftlichen Gesundung". Wo es zunächst einmal einer geistlichen Besinnung und einer Reform bedurft hätte, wurde den Zauberern Glauben geschenkt, die mit bunten Balken- und Tortendiagrammen immer neue Visionen an die Wand zauberten und dabei Angst und Hoffnung zugleich erzeugten.
Damit zog ein neuer Geist ein, der weder Nächstenliebe, Gnade, Geschichte, Tradition oder Ehrwürdigkeit kennt: Fortbestand durch Fusion, Auflösung, Effizienz. "Survival of the fittest!" Das Heil kommt nicht mehr vom Kreuze, es steckt in der Tabelle, in der Kurve, im Markt!
So verschwanden und verschwinden nicht nur Gemeinde- und Gotteshäuser. Auch die liebenswerten, unauffälligen oder skurilen "Kaffekochstellen-Inhaber" wurden wegrationalisiert.
Statt ihrer suchte man nun Kompetenzen, möglichst jung, dynamisch und mit frischen Ideen, damit das große Werk gelingen kann und stellte sie ein.
Was ist damit gewonnen?
Rien!
Es ist das, was man in England auch "Jobs for the boys!" nennt und in einer Folge von "Yes, Minister!" so trefflich durch den Kakao gezogen worden ist: Eine Verwaltungsreform führt am Ende zu einer Zunahme von Verwaltungstellen, die mit dem zu verwaltenden Gut oder Personenkreis immer weniger Fühlung hat.
Ich sehe eine stetig wachsende Anzahl von Schreibtischen mit "Kompetenzträgern", die Papier produzieren, während die Gemeinden in immer neuen Fusionwellen zersetzt werden. Glänzende Berufsbiographien, die auf Internetseiten prangen. Doch was sagen sie über die Eignung der Personen aus? Was sagen sie über den Glauben, das geistliche Leben, ihre Liebe zur Kirche aus, die für diese Schaltstellen eigentlich so dringend von Nöten wären?
Nichts und es fragt auch keiner mehr danach! Es interessiert nicht nur keinen, es ist einer Einstellung eher abträglich!
Wie ich nun zu diesem "Sermon" gekommen bin?
Ich habe mir meine Gedanken über den "Direktor für Medien und Kommunikation" des Erzbistums Köln gemacht.
Wenn Sie beim online-Magazin "Carta" nachlesen (eine "Gesine Schwan" sitzt im Beirat), werden Sie dort eine Berufsbiographie lesen, die sich sehen lassen kann. Er hat die wichtigen "Thinktanks" angezapft, ist in guten Beziehungen zu Medienkonzernen. Alles richtig gemacht, möchte man sagen. Tippitoppi!
Doch was wissen wir damit über den Menschen?
Offensichtlich doch zu wenig!
Nicht nur sein nach der Wahl ruchbar gewordener "Twitter"-Beitrag zeugt nicht gerade von tiefer Verwurzelung in christlichem Gedankengut.
Ich werde ihn hier nicht zitieren! Sie sind frei, den Links zu folgen und sich diesen Tort anzutun!
So hat er auf "Carta" einen "offenen Brief an einen AfD-Landtagsabgeordneten" veröffentlicht, den ich inhaltlich noch für weitaus bedenklicher halte, der aber darin ähnlich wie seine Stellungnahme zur Bundestagswahl ein "Demokratieverständnis" zeigt, das auf der Höhe des linken Mainstreams ist.
Christentum, Nächstenliebe, Feindesliebe?
Fehlanzeige!
Zeitgeist!

Keine Kommentare: