Freitag, 6. Oktober 2017

Profanierung durch Banalisierung

Es mag ja bei gewissen neuen geistlichen Gruppierungen, die sich zu unserer Mutter Kirche rechnen, en vogue sein, in Kirchen warme Tellergerichte zu sich zu nehmen. Doch ist das ein geistlicher Fortschritt? Führt er uns tiefer in das Geheimnis der Anwesenheit Christi im gewandelten eucharistischen Brot? Bringt das schmucke Dinner uns auf die Knie oder doch eher aufs Sofa bei Digestif, Mokka und Zigarre?
Wohlgemerkt: Ich habe nichts dagegen, wenn man in Zeiten äußerster Not, in Krieg und Naturkatastrophen den Menschen eine wärmende Suppe in der Kirche reicht, wenn sie zum Zufluchtsort wird!
Aber sonst?
Was ist es für ein Zeichen für Angehörige anderer Religionen, wenn wir unsere Schranken zwischen Welt und Heiligtum so ungeniert niederreissen und aus dem Gotteshaus ein Restaurant welcher Art auch immer machen?
Zeigen wir nicht, daß uns alles egal, nichts wert, nichts heilig ist?
Diese Verlängerung des bürgerlichen Speisezimmers stellt eine weitere Profanierung unserer Kirchen dar, die durch plumpe Banalisierung vollzogen wird. Wieder einmal ist das bloße "Iwent", die "kuhle Lokeeeschen", die "schöne Idee", die nichts, aber auch gar nichts auf den Hacken hat, der Grund für eine Herabwürdigung der Gotteshäuser.
Wer darüber schmunzeln mag, hat nicht verstanden, daß mit der Weihe dieses Gebäudes ein Akt vollzogen wurde, der es dem Wollen und der Willkür des Menschen entzogen hat. Es gehört weder Pfarrer, Bistumsverwaltung, Bischof noch Papst.
Es ist Gott geweiht!
Es gehört ihm!
Sie sind nur Hüter des Heiligtums!
Wir sind nur Gäste im Hause des Herrn und haben kein Recht, daraus ein Gasthaus zu machen, weder KV, Bischof noch Papst!
Hoppla!
Zu apodiktitisch?
Dann frage ich mal anders herum:
Was ist Ihnen, werte Leserin oder werter Leser, "heilig"?
Was ist Ihnen so kostbar und wichtig, daß sie es niemals wegwerfen, vernichten, verkaufen, abreißen würden?
Jerder kennt und hat so etwas, wovon er sich niemals trennen würde. Es steht für eine Erinnerung, eine Lebenswende, einen Erfolg, einen glücklichen Moment, einen schweren Verlust. Es kann ein Bild sein, ein schlichtes Klümpchenpapier oder das Grab eines lieben Menschen, das man niemals einebnen lassen würde ...
Das ist Ihnen wichtig, ja "heilig" und dann werden Sie ebenso apodiktisch werden, wie ich es gerade geworden bin.
Wir haben uns zu sehr daran gewöhnt, daß Kirchen "entweiht", abgerissen oder "umgenutzt" (Was für ein Wort!) werden.
Wir lassen es einfach geschehen.
Sie sind zu vielen von uns nicht heilig!
Mir sind sie es!
Warum?
Nicht weil sie mir heilig sind, weil sie es aus sich heraus sind.
Die Theologie hat schon vor Zeiten den Aufstand von den Knien gewagt und den langen Irrweg zu den Konferenztischen zurückgelegt.
Es fehlt ein Sensorium, ein Gefühl, ja eine Art Instinkt für das Heilige.

Besuchen Sie doch einmal einen von Gebeten und Messopfern durchtränkten und aufgeheizten Ort!
Nehmen Sie sich und Ihre Dünkel, Aufgeklärtheiten ganz zurück. Versuchen Sie es.
Nehmen Sie sich als Hilfe die einfachen, schlichten Gemüter, die Armen im Geiste, die Menschen mit ihren Gebrechen, Krankheiten, Verwirrtheiten, Trostlosigkeiten, Ängsten und Hoffnungen, die sich und ihre Freuden und Nöte vor ein Bild der Gottesmutter, einen Heiligen xy oder das Ausgesetzte Allerheiligste bringen und beten.
Bei wem sich dann  bei diesem ernsthaften Nachspüren immer noch keine Gänsehaut einstellt ... der lese Rudolf Otto "Das Heilige"!
Vielleicht kommen Sie dann auf die Spur dessen, was ich meine.



Am Ende etwas Versöhnliches, eine kleine Entdeckung, ohne weiteren Kommentar:


Kommentare:

Gerd Franken hat gesagt…

Der Kollege Hogekamp sieht das etwas anders:

http://papsttreuerblog.de/2017/10/05/mittagessen-in-bologna-ein-kleingeistiger-disput-jenseits-christlicher-hoffnung/

Kleingeister. Auf meine Frage ob denn die Kritiker einer Volksspeisung in einer geweihten Kirche alle Kleingeister sind warte ich gespannt.

Le Penseur hat gesagt…

Ts, ts, ts ...

welch kleingeistigen Disput Sie hier führen ;-) ...

Wenigstens nach Ansicht Ihres "Papsttreuen" Kollegen.

dilettantus in interrete hat gesagt…


Unter uns Steinzeitmenschen, nimm dies:

http://thomassein.blogspot.de/2015/04/mystik-jetzt.html

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

@ Lepenseur:
Wissen's, ich bin halt ein echter Piefke, mit einer kleinlich-preussischen Buchhalterseele! ;-)

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

@ dilettantus:
Genau so und nicht anders!

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

@ Gerd Franken:
Der geschätzte Herr Kollega Hogekamp ist halt zunächst einmal "papsttreu", was nicht immer gleichbedeutend mit "römisch-katholisch" ist!